Sonntag, 10. März 2013

Afrika Afrika V

Gonder und das Ende von Äthiopien

Nach dem relaxten Tag fliegen wir dann mit Minizwischenstopp in Axum nach Gonder - dort treffen wir Fasil, den Onkel von Hebrid. Er hat uns ein günstiges und verhältnismäßig wirklich schickes Hotel organisiert, das L-Shape - die Preise, die wir hier zahlen sind defintiv keine Faranji-Preise. Fasil hat erzählt, dass wir alle Familie von ihm sind. Dass wir bis auf Hebrid alle weiß sind, ist Nebensache.
Mit Fasil machen wir uns dann auf den Weg, um Gonder zu erkunden. Gonder ist nicht so schön wie Hawassa (die Stadt bleibt definitiv wie mein Favorit), nicht so touristisch wie Lalibela (wobei das Castle in Gonder schon eine Touristenattraktion ist) und nicht so stressig wie Addis.

Als erstes besuchen wir die Burg, diesmal mit Fasil als Guide, der zwar nicht soooo viel Ahnung hat und sich offensichtlich teilweise die Fakten ausdenkt, aber der einfach nur ein interessanter und spezieller Charakter ist mit dem es richtig Spaß macht. Fasil ist 61 und verdammt offen für einen Äthiopier. Ohne Scham erzählt er von seinen Kindern - den ehelichen und unehelichen. Sein jüngstes Kind ist gerade mal zwei Jahre alt. Nach der Burg besuchen wir den Markt von Gonder. Hier sehn wir viele Kinder/Menschen, die von einem Strauch in der Hand kleine Kügelchen essen. Auf Nachfrage, was das sei, kauft Fasil kurzerhand für jeden einen Strauch und wir pulen die kleinen Kügelchen, die nach Erbsen schmecken raus - ich weiß immer noch  nicht genau, was das war, schätze aber, dass es eine Erbsenart war. Viele Kinder folgen uns hier wieder neugierig und nach und nach schenken wir den Kindern unsere Erbsen, die sie freudig entgegen nehmen. David kauft noch originale Gewürzmischungen - Shiro und Berbere, damit wir auch zuhause selber afrikanisch kochen können.

Zum Schluss zeigt Fasil uns noch seine Baustelle, denn er baut gerade mit einem Bruder ein Hotel in Gonder. Die Baugerüste und alles sind aus aus dicken Holzästen gebaut. Das sieht wackelig aus, aber es hält.




Dann gehen wir noch gemeinsam essen und David und ich kaufen als Mitbringsel für Zuhause hausgemachten Tej (Honigwein), welchen wir abgefüllt in alten Plastikwasserflaschen bekommen. Richtig authentisch halt.





Später gehen wir in eine traditionelle Bar, wo es traditionell äthiopische Musik und Tänze gibt. Hier sind ein sowohl Touristen, als auch viele Einheimische jeden Alters. Wir fragen uns, ob gerade die jungen Gäste hier regelmäßig hingehen oder ob es auch für sie eine Ausnahme und etwas besonderes ist. Im Vergleich zu der Bar, wo wir ganz am Anfang mit Claudio in Addis waren, sind hier auch viele Frauen. Es tanzen hauptsächlich die professionellen Tänzer, aber sie animieren die Gäste zum mitmachen. Der ethiopische Tanz ist ganz spannend, denn es wird hauptsächlich mit dem Oberkörper, genauer gesagt mit den Schultern getanzt. Hebrid hatte uns erklärt, dass dies religiöse Gründe hat - man soll nicht zu anzüglich tanzen und die Hüften bewegen. Deswegen eben die Schultern. Bei den Frauen, die ja auch meistens wirklich sehr hübsch sind, sieht das ganze noch ganz nett aus, bei den Männern sieht es meiner Meinung nach nur lustig aus und erinnert mich an einen Hahnenkampf oder so. Leider hatte ich meine Kamera da nicht dabei, aber dieses Video habe ich auf Youtube gefunden:




Am nächsten Morgen trennen sich dann unsere Wege - Tina nimmt ganz früh den Bus nach Bahir Dar, Hebrid und Chris bleiben noch ein paar Tage mit Fasil + Familie in Gonder und wir fliegen wieder nach Addis Abeba, haben noch einen ereignislosen Abend dort und dann gehts am 29.12. direkt wieder zum Flughafen und weiter nach Kenia.

Letzter Blick auf Addis vom Flughafen

Tschüss Äthiopien, 
Land aus einer anderen Welt und anderen Zeit! 


Ein paar interessante Fakten:

- Äthiopien ist das einzige afrikanische Land, welches nie eine Kolonie war
- es gibt 80 ethnische Gruppen und auch 80 unterschiedliche Sprachen in Äthiopien
- auf amharisch heißt "danke" "ameseginalew" (አመሰግናለው)
- das aktuelle Jahr ist 2005
- Weihnachten wird im Januar gefeiert
- auch äthiopische Uhrzeiten sind anders: Der Tag beginnt um 6Uhr (Stunde 0) und somit ist 7Uhr die 1. Stunde des Tages, Mittags ist es in Äthiopien somit 6Uhr und abends 18Uhr ist 12Uhr
- Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt 
- die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 48 Jahren
- im Jahr 1974 wurde "Lucy" in Äthiopien gefunden, unsere über 3 Millionen Jahre alte Ur-ur-ur-Großmutter 

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