Samstag, 16. Februar 2013

Afrika Afrika III

Bale Mountains - Horse Trekking in den Bergen

Von Hawassa aus fahren wir nach Dodola und starten dort in drei traumhafte Tage in den Bale Mountains - Trekking zu Pferd, das klingt wunderbar und ist es auch!!! 

Direkt vorab der Link (http://www.baletrek.com/about.php) für andere Interessierte - es ist nur zu empfehlen und war ursprünglich ein Projekt der deutschen Entwicklungshilfe - das heißt z.B. auch, man zahlt direkt an die Leute aus der Community und weiß auch, dass es dort ankommt, wenn man es ihnen bar in die Hand gibt und nicht an irgendeine Organisation zahlt.

Unser Guide hier, der die ganze Zeit mit uns reiten und übernachten wird, heißt Abiju (oder so ähnlich, ich kann mir seinen Namen bis zum Ende kaum merken). Reit- und Packpferde bekommen wir jeden Tag andere, genauso wie die "Horsehandler", die uns zu Fuß begleiten und später die Pferde wieder zurück bringen. Bis zum Schluss finde ich es komisch, eigentlich sogar unangenehm, dass die Horsehandler den ganzen Weg neben uns herlaufen, ja sogar rennen, wenn wir gallopieren oder traben. Ich muss mich daran erinnern, dass sie generell viel laufen und das dies ein guter Job für sie ist. Trotzdem fühle ich mich fehl am Platz, wie ein "Weißer", der einen "Schwarzen" für sich arbeiten lässt. 
Bei den Pferden handelt es sich um kleine Hochlandpferde, knapp über Ponygröße - sie sind schmal, aber nicht abgemagert und sehen gesund, wach und aufmerksam aus. Ich habe im Urlaub, wo man als Tourist reiten kann, schon viel schlechter gepflegte Pferde gesehen und bin positiv überrascht. Dennoch ist klar, dass die Pferde hier Nutztiere sind, um von A nach B zu kommen oder in unserem Fall als zusätzliche Einnahmequelle - aber dagegen spricht ja auch nichts, wenn sie gut behandelt werden.

Wir reiten los, erst über Felder und dann in den Wald. Auf dem Weg treffen wir auch hier immer wieder auf andere Leute, meistens junge Männer oder sogar noch Jungs mit ein paar Ziegen oder Kühen. Kühe, Ziegen, Esel und Pferde sind auch ohne menschliche Begleitung fast überall zu sehen. Die Natur hier ist so abwechslungsreich, dass man sich gar nicht satt sehen kann. "Reiten" muss man eigentlich kaum, die Pferde sind trittsicher und folgen brav Abiju auf seinem Pferd. Zwischendrin ist es aber ganz schön steil und steinig und wackelig auf dem Pferd - als ich mich, einem Ast ausweichend zur Seite lehne, hänge ich plötzlich mit dem Sattel an der Seite des Pferdes. Ups! In den nächsten Tagen habe ich zum Glück einen fester sitzenden Sattel.






Wir legen jeden Tag zwischen 15-25km zurück bevor wir die Camps erreichen - kleine Holzhütten ohne Elektrizität und fließendem Wasser, aber mit Lagerfeuer und viel Charme.
Beim ersten Camp treffen wir auf drei weitere Backpacker aus Slowenien, mit denen wir die beiden anderen Tag zusammen weiter reiten werden. Nach dem Ankommen machen David und ich uns noch zu Fuß ein bisschen auf den Weg und erkunden die Natur.









Abends wird es dann kalt. Sehr kalt! So dass wir sehr früh ins Bett gehen, die sind nämlich überraschend warm und mit vielen Decken und Schlafsäcken ausgestattet, so dass ich nicht wie vorher schon befürchtet erfriere (ich hatte mir extra noch einen neuen Daunenschlafsack gekauft), sondern richtig gut schlafe, ich wage sogar zu behaupten, dass es die bis jetzt bequemste und wärmste Nacht war. 

Am nächsten Morgen geht es ohne Dusche und mit neuen Pferden weiter. Ich mag mein heutiges Pferd, es trottet nicht nur hinterher und reagiert gut auf meine Kommandos, es ist recht flott unterwegs (am letzten Tag erwische ich leider ein sehr langsames Pferd) und der Sattel sitzt diesmal sicher, so dass ich gerne auch mal in den Trab oder auch Gallop verfalle. Dafür hat David heute den lockeren Sattel erwischt und als er beim Trab das Gleichgewicht verliert, rutscht er samt Sattel vom Pferd. Die Vegetation ist diesmal ganz anders, denn wir verlassen den Wald und reiten immer höher. Unsere zweite Hütte liegt nämlich schon auf 3.400m.












Ohne die Pferde geht es dann hier mit Abiju noch weiter auf 3.700m - den höchsten Punkt unserer Reise. Der Ausblick ist jeden Schritt wert.








Während wir in der ersten Hütte nur die Männer gesehen haben, kümmern sich hier die Frauen um uns. Unter ihnen auch ein junges Mädchen, vielleicht 12-14 Jahre. Mitten in den Bergen erwarten wir nicht, dass sie hier in die Schule gehen kann, aber sie erzählt uns in gebrochenem Englisch, welches bestimmt nicht schlechter ist, als das einiger Altersgenossen bei uns in Deutschland, dass sie zur Schule geht - jeden Tag läuft sie 1 Stunde hin und 1 Stunde zurück. Am Wochenende (wie jetzt) hilft sie im Camp. Am nächsten Tag begleitet sie uns sogar die 21km zurück nach Dodola zu Fuß, als Horsehandler für eines der Packhorses.

Als ich in der Sonne auf dem Gras sitze, entdecke ich ein kleines Mädchen (etwa 8 Jahre) am Zaun, wie sie mich verstohlen beobachtet. Sie hat ein Baby auf den Rücken gebunden und als ich sie frage, ob es ihr Geschwisterchen ist, traut sie sich durch den Zaun hindurch und kommt ein bisschen näher. Auch sie versteht und spricht schon ein bisschen englisch. Sie ist recht verdeckt im hohen Gras und als David mit etwas Brot zu mir kommt, sieht er sie erst gar nicht. Ich teile mein Brot und halte es ihr fragend und aufmunternd hin. Blitzschnell ist sie bei mir, ohne ein Wort und mit gesenktem Blick schnappt sie sich das Stück Brot und rückwärts läuft sie wieder zum Zaun und verschwindet auf der anderen Seite. Aber immer noch in Blickweite stoppt sie, fängt sie an zu essen und schaut mich und David weiter an. Für mich eine faszinierende Erfahrung. Sie wirkt auf mich wie ein scheues Reh.





Auch wenn es noch weitere Camps gibt und wir noch mehrere Tage weiterreiten könnten, haben wir uns dafür entschieden, am dritten Tag wieder zurück nach Dodola zu reiten - die Slowenen auch und so machen wir uns alle gemeinsam auf den Rückweg. Heute laufen wir mehr als die letzten Tag, denn es geht teilweise recht steil bergab, so dass man nicht immer reiten kann.
Wir sind wieder viel im Wald und ich genieße es auch mal ohne Pferd zu sein, weil man häufiger anhalten und gucken kann. Mehr als einmal sehen wir die schwarzweißen Colobusaffen und stoppen, um sie zu beobachten.


Interessant finde ich es, als wir ein paar Frauen begegnen. Während unsere Guides die Männer und Jungs, die wir unterwegs getroffen haben, immer gegrüßt haben und teilweise sogar für eine kurze Unterhaltung gestoppt haben, werden die Frauen ignoriert, noch nicht mal mit einem "hallo" bedacht und sie laufen mit gesenktem Blick schnell an uns vorbei. Als ich sie grüße (vielleicht ein Fauxpax?), schauen sie nur ganz flüchtig auf und nicken uns zu, sagen aber nichts. 

Als wir den Wald verlassen reiten wir durch Felder zurück nach Dodola und haben die Gelegenheit zu gallopieren. Leider ist mein Pferd heute nicht so flott wie am Tag zuvor und ich muss es ganz schön dazu drängen zu gallopieren. Am Ende erreichen wir alle erschöpft, verstaubt und glücklich Dodola. 



Wir fahren direkt weiter nach Hawassa - wir dürfen nämlich wieder eine Nacht bei Matt und Jose übernachten und er hilft uns sogar bei unserer weiteren Reiseplanung. 

Im Bus sind wir, "die reichen Faranjis", die schmutzigsten und stinkendsten Passagiere nach drei Tagen Reiten und ohne Dusche. Das hält jedoch niemanden davon ab, uns zu helfen wo es geht (Taschen werden einem abgenommen und getragen, ob man will oder nicht, natürlich mit der Erwartung im Anschluss Geld dafür zu bekommen).

Total kaputt kommen wir bei Matt an und während David noch alleine auf den Mt. Tabor in Hawassa will, lockt mich nur noch die Dusche und das Sofa.

Kommentare:

  1. Hallo Verena,
    schade, dass ihr nicht an die Ostseite des Sees konntet - aber auch so ist dein Bericht spannend und aufschlussreich; und vor allem die Bilder geben einen hervorragenden Eindruck von dem Land und den Menschen - und der wunderbaren Landschaft.
    Schöne Grüße von
    Heinrich

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  2. Auch dieser Teil gefällt mir gut, die Eindrücke, die du von den Kindern und Frauen schilderst interessieren mich besonders. Zusammen mit den Fotos ist das wieder sehr gut vorstellbar. Und die Landschaft muss einfach traumhaft sein......

    Grüße von Katja

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