Freitag, 8. Februar 2013

Afrika Afrika I

4 Wochen (16.12.12 - 13.01.13) Afrika, 2 Länder (Äthiopien und Kenia), 2 Reisende (David und Verena) - das Abenteuer kann beginnen!

Und es beginnt in ... Frankfurt! 

Frankfurt - Addis Abeba 

Genauer gesagt mit einer Nacht im "Steigenberger Airport Hotel", da unser Flug überbucht war - mit so einer schicken Unterkunft haben wir während unserem Afrikaurlaub sicher nicht gerechnet. 
24 Stunden später als geplant starten wir dann wirklich und landeten früh morgens am 18.12. in Addis Abeba, Äthiopien. Glücklicherweise ist unser Gepäck, das scheinbar am Tag vorher schon ohne uns geflogen war, direkt aufzufinden und wir fahren zum Faranji-Preis (Faranji = Fremder, Weißer) mit dem Taxi in die Stadt zum Meskal Square, wo wir den Housekeeper unseres ersten Couchsurfinghosts "Mr. Shoa" treffen sollen.
Der erste Eindruck von Äthiopien ist vielfältig und überwältigend: Hier ist es laut, bunt und staubig, es riecht nach 1000 Dingen - nach Gewürzen und Essen, aber auch nach Abgasen, Fäkalien und Müll. Der Verkehr ist wahnsinnig und noch viel wahnsinniger sind die Mengen an Menschen. Überall! Sie laufen auf den Straßen, in und außerhalb der Stadt, kilometerweit - doch die größte Attraktion sind wir! Denn wir sind weit und breit die einzigen Weißen, die einzigen Faranjis auf der Straße - und das soll auch die ersten Tage so bleiben, bis auf Claudio unseren Host, der ein Äthiopier mit italienischen Wurzeln ist, begegnen wir keinem einzigen Weißen. Naja außer im National Museum. Aber wo sind die wenigen Touristen sonst? Zumindest nicht auf den Straßen von Addis. 

Aber zurück zu unserer Ankunft am Meskal Square. Auch hier ist es so früh morgens schon geschäftig. Leute auf der Straße, zwischen dem nichtstoppenden Verkehr ein Junge mit einer Ziegenherde. Auf der anderen Straßenseite unermüdliche Läufer, die schon früh morgens ihre Runden drehen. Mr Shoa bringt gerade noch die Töchter von Claudio zur Schule, so dass wir erstmal warten müssen. Und sogleich stellen wir uns einer der Aufgaben, die für mich mit die größte Herausforderung war und ist - dem Überqueren der mehrspurigen Straße! Es gibt zwar einen "Zebrastreifen", aber der scheint nur zur Zierde da zu sein und es hält sowieso keiner an. Also hängen wir uns an einen Mann, der zu wissen scheint, was er da tut und dann heißt es am besten "Augen zu und durch", zumindest habe ich mich nicht getraut zu gucken. Erfolgreich die Straße überquert sind wir auf dem staubigen Platz angekommen, wir müssen noch eine halbe Stunde warten, eine halbe Stunde "zur Schau stehen". Wir laufen ein wenig hin und her, beobachten die vielen Läufer und einige Jugendliche, die Fußball spielen. 
Und dann lernen wir Salomon kennen. Salomon ist ein junger Äthiopier, der nur auf uns gewartet hat, denn in den nächsten 2 Tagen wird er an uns naiven Faranjis eine Menge Geld verdienen. Er erzählt uns einiges über sich, über die Stadt und stellt Fragen zum Leben in Deutschland. Er ist "Künstler" und zeigt uns ein paar seiner Zeichnungen auf einem kleinen Block. Als wir gehen wollen überredet er uns, ihm eine seiner Zeichnungen abzukaufen, damit er sich Stifte kaufen kann. Wir müssen erst noch lernen, "nein" zu sagen, denn die Äthiopier sind freundlich und hilfsbereit, aber man kann nicht jedem einzelnen helfen und was geben. Salomon hat Glück, dass er uns direkt am Anfang unserer Reise kennen gelernt hat :) 
Dann taucht Mr Shoa auf, ein junger Äthiopier, vielleicht anfang 20. Wir müssen ihn nicht erkennen, denn natürlich erkennt er sofort wer wir sind. Mr Shoa spricht kein englisch. Ich bin verwundert, dass wir es überhaupt geschafft haben, uns hier zu verabreden. Mit Händen und Füßen kommunizierend machen wir uns auf den Weg und reihen uns bei den vielen laufenden Menschen ein. 

Als wir die Asphaltstraße verlassen, sind wir überrascht. Der Weg ist uneben, Müll und sogar Schuhe sind im Staub festgetreten, Hühner laufen herum und ärmere Menschen als wir bisher gesehen haben. Die Häuser hier sind schiefe Wellblechhütten in denen nicht mal ich mit meinen 156cm aufrecht stehen könnte.  
Nach einigem rechts und links stoppen wir an einem großen Tor. Dahinter verbirgt sich Claudio's Haus und wir werden wieder überrascht, denn in dieser ärmlichen und tristen Nachbarschaft hat man das nicht erwartet. Ein großes Haus mit grünem Garten, sogar ein paar Palmen. Mr Shoa bringt uns zum "Gästehaus" - hier werden wir also die nächsten 2 Nächte schlafen. Nach einer ersten (kalten) Dusche testen wir auch direkt das Bett und schlafen bis Claudio von der Arbeit kommt.

Neben Mr Shoa hat er noch ein Hausmädchen, das für ihn kocht und putzt. Mr Shoa schläft übrigens in einem kleinen Verschlag neben dem Haustor. Später sehen wir noch kleinere Verschläge, die Mülltonnen oder Hundehütten ähneln, in denen Bedienstete und Nachtwächter schlafen. Gewöhnungsbedürftig, wie so vieles hier.

Claudio, obwohl er sehr italienisch aussieht, ist ein typisch äthiopischer Businessman. Nunja, natürlich fehlen die Vergleiche zu anderen äthiopischen Businessmännern, also streiche ich das typisch vielleicht wieder. Von seinen Kindern sehen wir wenig, seine Frau gar nicht, ihn und seine Freunde dafür jeden Abend. Auch daran muss man sich erstmal gewöhnen. Claudio kommt jeden Tag gegen 16Uhr (europäische Zeit) nachhause, dann schläft er erstmal und gegen 19Uhr trifft er sich mit seinen Freunden (auch äthiopische Businessmänner) zum "Chat" kauen, Tee trinken und Karten spielen im Recreation Raum. Den Einträgen der zahlreichen Couchsurfer vor uns nach zu urteilen, geschieht dies seit Jahren jeden Abend in genau dieser Reihenfolge. Die Couchsurfer sind ein Teil davon. Claudio's Freunde erzählen uns, dass sie die Gäste mit Claudio gemeinsam auswählen. Auch wir kommen in den Genuss Chat zu probieren, wobei von Genuss eigentlich nicht die Rede sein kann. Chat gibt es unter anderem Namen auch in anderen afrikanischen Ländern, ist eine Pflanze deren Blätter man kaut und die stimulierend wirken soll - ich habe nichts davon gemerkt. (http://de.wikipedia.org/wiki/Kathstrauch) Besser war da schon das Probieren von Tej, einem Honigwein (http://de.wikipedia.org/wiki/Tej), der zwar auch nicht 100% meinem Geschmack entspricht, David dafür aber umso besser schmeckte. Nach dem Karten spielen steht allabendlich ein Besuch in einer Bar (immer derselben) auf dem Programm. Die Bar ist von Männern dominiert. Claudio verrät uns, das etwa 80% der wenigen Frauen in den Bars meist Prostituierte sind. 

Am nächsten Tag wollen wir Addis Abeba erkunden, was eine Herausforderung ist ohne richtige Karte der Stadt. Am Meskal Square treffen wir wieder auf Salomon. Er will uns begleiten und ich bin nicht gerade begeistert von der Idee, denn es ist klar, das er wieder Geld will. Salomon versichert uns, dass er bestimmt kein Geld will - natürlich wissen wir, dass das nicht so ist, aber er erweist sich als praktischer Guide, der viel über die Stadt und Geschichte weiß, uns die fehlende Stadtkarte ersetzt und durch seine Begleitung werden wir auch ein wenig in Ruhe gelassen. Ruhe ist jedoch hier in Addis relativ, es ist niemals ruhig und auch wir ziehen nach wie vor die Aufmerksamkeit auf uns. Es sind besonders die Kinder, die zwar auch nach Geld fragen, aber zusätzlich Neugier und Interesse zeigen. Zwei Schulmädchen laufen in ihren Uniformen hinter uns und Salomon erzählt uns, dass sie über uns reden. Über unsere weiße Haut, unsere schönen Haare. Als die Mädchen abbiegen müssen, sagen sie "bye" zu uns, winken und kichern verschämt. An anderer Stelle laufen wir an einer Schule oder so vorbei und die Kinder stürmen an die Mauer und schreien einfach laut, es ist ohrenbetäubend und halten uns die Hände hin. Ob sie Geld wollen oder uns nur anfassen? Die meisten wollen Geld, aber je ländlicher wir später sein werden und je kleiner die Kinder, desto öfter wollen sie uns wirklich nur berühren, uns die Hand geben. Es ist faszinierend.

Es ist Mittwoch und mittwochs finden immer Gottesdienste statt, so dass wir leider keine der vielen orthodoxen Kirchen besichtigen können. Aber wir werden Zeuge eines sehr interessanten Rituals. Vor einer Kirche haben sich viele Menschen angesammelt und ein Priester spritzt diese mit einem Wasserschlauch nass. Einige Menschen suchen das Wasser, andere schreien und werden unter großem sich Wehren zum Priester hingeschleppt. Salomon erklärt uns, dass das Wasser die Seele reinigt. Wenn man besessen ist, schreit man sobald man nass wird. Dadurch wird die Seele befreit. Wir schreien nicht, als wir ein paar Tropfen abkriegen. 

Später besuchen wir noch "Lucy" im National Museum und lernen sowohl über die äthiopische Geschichte als auch über unser aller Herkunft. Dann fahren wir Bus - Salomon ist nicht sicher, ob er uns dies zumuten kann, schließlich ist der normale Bus das öffentliche Transportmittel, was am billigsten und schlechtesten ist - ich muss sagen, ich fand den Bus komfortabler als die Fahrten in gequetschen Minibussen.
Entgegen unseren Plan am nächsten Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Süden zu fahren, haben wir uns entschieden, ein Auto samt Fahrer zu mieten und somit mehr vom Great Rift Valley zu sehen. Salomon versucht sich noch als unser Guide für die Fahrt zu verpflichten, aber wir lehnen ab und trennen uns nach einer vermutlich viel zu hohen Bezahlung für seine Begleitung.
Den Abend verbringen wir wieder mit Claudio und seinen Kumpels im Recreation Raum, aber diesmal begleiten wir sie nicht in die Bar, weil wir am nächsten Tag früh los fahren und die Stadt hinter uns lassen werden.

Kommentare:

  1. Interessant. Ich frag mich wie ich mich benehmen wuerde wenn jemand so aufdringlich waere. Dieses Land klingt schon etwa gefaehrlich, ich glaube ich waere da die ganze Zeit gestresst und wuerde einfach so tun als ob ich kein Englisch spreche. Das tue ich immer wen jemand auf der Strasse in einem Land was von mir will...

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    1. Tja Maria, sooo gefährlich ist Äthiopien gar nicht (wir haben ein Mädel aus Kairo getroffen, die hat sich so sicher wie noch nie gefühlt) - außerdem hab ich mich immer hinter David versteckt und ihn machen lassen :-p

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  2. Hallo Verena,
    das liest sich toll und macht Lust, selbst bald wieder auf Reisen zu gehen. Gerne mehr davon!
    Liebe Grüße, Christian

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